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Da beim letzten Termin weniger teilnahmen, als für eine direkte Verlängerung des Kurses nötig gewesen wäre,  besteht nun wie angekündigt das Angebot, über den „Fetischcharakter der Ware“  und über die „Wachstumsfrage“ (und was das jeweils für die Gewinnung grüner Perspektiven bedeuten könnte) im privaten Rahmen weiter zu diskutieren.

Wir treffen uns am  4.4.13 und am 18.4.13 in einer Privatwohnung in Lankwitz  .Wer teilnehmen möchte, schreibe mir eine Mail (mail@hhirschel.de). 

Eine (unter Umständen mögliche) Fortsetzung des Kurses im nächsten Semester des Bildungswerkes soll dann stärker an aktuelle Diskurse  anknüpfen. Das wären etwa die Frage der „Wachstumszwänge“, die neue Diskussion um Commons, an ökokapitalistische Strategien wie Green Economy, Green News Deal und nicht zuletzt am gerade startenden Prozess der Entwicklung von UN Nachhaltigkeitszielen.

Beim letzten Termin ging es noch einmal um die Frage der Produktivkraftentwicklung als sowohl Bedingung der Möglichkeit, die (weltweiten) Produktionsbeziehungen auf eine neue Grundlage zu stellen, die es den weltweit interagierenden Menschen und deren Institutionen erlaubt, sie in einer ökologisch vernünftigen Weise zu steuern als auch als Grund für die existenzielle Notwendigkeit, dahin zu kommen.

Als eine Grundlage der Diskussion, wie sich das Dahinkommen aus Marx/Engels-Sicht darstellte, diente noch einmal der unten wiedergegebene kurze Engels-Text aus seinem „Anti-Dühring“.  Hier ist die  Marx/Engelsche Vorstellung in wenigen Worten zusammengefasst.

Selbstredend ging es uns um eine kritische Reflexion dieses Textes.

Neben Dingen, die kritisch anzumerken sind sollte aber auch danach geschaut werden, was in dieser Momentaufnahme an produktiven Gedanken für heute zu steckende grüne Perspektiven streckt.

“Das Proletariat ergreift die Staatsgewalt und verwandelt die Produktionsmittel zunächst in Staatseigentum. Aber damit hebt es sich selbst als Proletariat, damit hebt es alle Klassenunterschiede und Klassengegensätze auf, und damit auch den Staat als Staat. …

Der erste Akt, worin der Staat wirklich als Repräsentant der ganzen Gesellschaft auftritt – die Besitzergreifung der Produktionsmittel im Namen der Gesellschaft -, ist zugleich sein letzter selbständiger Akt als Staat. Das Eingreifen einer Staatsgewalt in gesellschaftliche Verhältnisse wird auf einem Gebiete nach dem andern überflüssig und schläft dann von selbst ein. An die Stelle der Regierung über Personen tritt die Verwaltung von Sachen und die Leitung von Produktionsprozessen. Der Staat wird nicht ‘abgeschafft’, er stirbt ab.”

(Engels im “Anti-Dühring”, “Herrn Eugen Dührings Umwälzung der Wissenschaft”, MEW 20, S. 262)

Aufgefallen war zunächst, dass die in der Deutschen Ideologie formulierte Voraussetzung einer weltgesellschaftlichen Existenz der ökonomisch interagierenden Menschen und der Entwicklung ihrer allseitiger Fähigkeiten (bei geichzeitig als unertrtäglich empfundenen sozialen Ohnmacht) unter der Abstraktion DES Staates (Staatseigentum, Staatsgewalt) verschwindet.

Dadurch verschwände die im Leitspruch „Proletarier aller Länder vereinigt euch“ zum Ausdruck kommende Herausforderung aus dem Blick.

„Staat“ existiert heute mehr denn je als Interaktion einer Vielzahl von Nationalstaaten, deren Gliederungen, Abkommen oder auch Verbünde.

Die Gesellschaft kann deshab auch nur (wie in Marx-Engels Kritik der Deutschen Ideologie bereits erkannt) als eine Weltgesellschaft, die sich bewusst als solche formiert, Herr ihrer globalen (Re-) Produktionsbeziehungen werden.

Eingewandt wurde auch, dass die Begrifflichkeit (Proletariat) heute wie aus dem Museum klingt. Auch wenn man stattdessen davon spricht, dass etwa ökologische Vernunft nicht ohne (welt-)kollektive Selbstbefreiung aus der Lohn- und Gehaltsabhängkeit zu haben sein wird, ist es schwierig, sich eine „Klasse der Lohn- und Gehaltsabhängigen“ als ein „historisches Subjekt“ vorzustellen, das aus einem (weltweit) gemeinsamen Befreiungsinteresse heraus, Staatsmacht erlangt.

Emanzipationsprozesse in Richtung Verallgemeinerung derFähigkeit, die gemeinsamen Produktionsangelegenheiten auch gemeinsam zu regulieren in der die Gesellschaft dann als solche Herr über die Produktion erlangt, wie etwa in Angelegenheiten der Energieumwandlung, entstehen und bewegen sich meist auch außerhalb der traditionellen Institutionen der Arbeiterbewegung. Allerdings wirken sie durchaus auch in sie hinein müssen womöglich am Ende gerade auch die hier bestehende Abhängigkeitsstruktur berwinden, um zum Ziel zu kommen.

Die Vorstellung der Erlangung von Staatsmacht (= Macht über die Regularien der Interaktion von Nationalstaaten und der in ihnen wirkenden Kräfte) durch eine weltweite Bewegung der Entprivatisierung gesellschaftlicher Steuerungskompetenzen die zugleich eine Bewegung ihrer Entstaatlichung  ist, wurde allgemein vom Grundsatz her als ein faszinierender Gedanke empfunden.

Doch die logisch durchaus plausibel klingende Erwartung eines gänzlichen Absterbens staatlicher Funktionen (wie Rechtssprechung und- pflege, Verteidigung usw.) wenn zunehmend auf Basis von vornherein konsensualer Prozesse interagiert wird, in die sich dann wirklich auch alle einbringen und entsprechend wiederfinden können, ist das Eine.

Die reale Geschichte  (bzw. Zukunft) bewegt sich allerdings nicht auf Basis mehr oder minder toller „Logiken“ sondern auf Basis realer Bedürfnisse, Fähigkeiten, Interessenslagen sehr unterschiedlicher gesellschaftlicher Akteure, die unter jeweils sehr besonderen Umständen mit durchaus unterschiedlicher Intensität aufeinander einwirken. Dass es gesellschaftliche Ererungenschaften gibt, die verteidigt gehören, dürfte unzweifefhaft sein. Dass Rechtsstaatlichkeit  ein nicht zu unterschätzender Faktor ist, auch.

Ob die jeweils vollständig durch bessere (mitmenschlichere und nicht weniger zuverlässigere) Mittel garantiert werden könnten, als durch neutrale, vom Gesellschaftsleben abgesonderte (staatliche) Instanzen, wagten alle Anwesenden, zu bezweifeln. Dies bedenkend, könnte diese Perspektive aber als ein einigermaßen brauchbarer Wegweiser in eine Zukunft dienen, die deshalb eine bessere ist, weil sie entschieden mehr auf  freie Übereinkommen aufbaut.

dass hhh

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